Biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar: Was ist der Unterschied?

Biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar: Was ist der Unterschied?

Biobasiert beschreibt die Herkunft eines Materials. Biologisch abbaubar beschreibt sein Verhalten unter bestimmten Umweltbedingungen. Kompostierbar bedeutet, dass es festgelegte Anforderungen für die Kompostierung erfüllt. Die Begriffe beantworten unterschiedliche Fragen und sind deshalb nicht austauschbar.

Besonders bei Kunststoffverpackungen führt das schnell zu Missverständnissen. Eine Verpackung aus pflanzlichen Rohstoffen muss nicht verrotten. Ein biologisch abbaubarer Kunststoff kann aus fossilen Rohstoffen bestehen. Und ein als kompostierbar gekennzeichneter Becher gehört in Deutschland normalerweise trotzdem nicht in die Biotonne.

Die drei Begriffe im Überblick

Wer die Angaben richtig einordnen möchte, sollte drei Dinge auseinanderhalten: Rohstoffherkunft, Abbaubedingungen und Entsorgungsweg.

Biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar im Vergleich
Begriff Was bedeutet er? Was folgt daraus nicht automatisch?
Biobasiert Das Material besteht vollständig oder teilweise aus biogenen Rohstoffen. Dass es biologisch abbaubar, kompostierbar oder insgesamt umweltfreundlicher ist.
Biologisch abbaubar Mikroorganismen können das Material unter bestimmten Bedingungen biologisch umsetzen. Dass es sich schnell im Garten, im Meer oder am Straßenrand abbaut.
Industriell kompostierbar Das Produkt erfüllt definierte Anforderungen für die Kompostierung unter industriellen Bedingungen. Dass es für den Heimkompost geeignet oder vor Ort in der Biotonne zugelassen ist.
Heimkompostierbar Die Eignung für die Kompostierung bei niedrigeren Temperaturen wurde nach einem entsprechenden Prüfprogramm nachgewiesen. Dass das Produkt in jeder Umgebung schnell verschwindet oder in die Natur geworfen werden darf.

Merksatz: „Biobasiert“ fragt nach dem Ausgangsmaterial. „Biologisch abbaubar“ fragt nach der möglichen Umsetzung. „Kompostierbar“ ergänzt konkrete Anforderungen an einen bestimmten Behandlungsprozess.

Was bedeutet biobasiert?

Biobasierte Kunststoffe werden ganz oder teilweise aus Biomasse hergestellt. Als Ausgangsstoffe kommen beispielsweise Zucker, Stärke, pflanzliche Öle oder cellulosehaltige Rohstoffe infrage. Auch geeignete biogene Reststoffe können genutzt werden.

Die Bezeichnung sagt zunächst etwas über die Rohstoffquelle aus. Sie beschreibt weder die Lebensdauer des Produkts noch dessen Verhalten nach der Nutzung.

Auch die Höhe des biobasierten Anteils ist wichtig: Ein teilweise biobasiertes Produkt kann weiterhin fossile Bestandteile enthalten. Eine konkrete Prozentangabe ist deshalb aussagekräftiger als ein allgemeiner „Bio“-Hinweis. Dabei sollte erkennbar sein, worauf sich die Angabe bezieht, etwa auf den biobasierten Kohlenstoffanteil oder die gesamte Produktmasse.

Warum verrottet nicht jeder Kunststoff aus Pflanzen?

Die Abbaubarkeit hängt wesentlich von der chemischen Struktur ab. Ein Kunststoff kann aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden und trotzdem die gleiche beständige Struktur besitzen wie sein fossilbasiertes Gegenstück.

Ein Beispiel ist Bio-Polyethylen, kurz Bio-PE. Die pflanzliche Rohstoffquelle macht daraus keinen kompostierbaren Kunststoff. Ähnliches gilt für PET mit biobasierten Anteilen.

Für die Einordnung solcher Materialien lohnt sich daher auch ein Blick auf ihre chemischen Eigenschaften.

Was bedeutet biologisch abbaubar?

Beim biologischen Abbau werden organische Stoffe durch Mikroorganismen umgesetzt. Unter sauerstoffreichen Bedingungen entstehen dabei unter anderem Kohlenstoffdioxid, Wasser und Biomasse. Unter sauerstoffarmen beziehungsweise anaeroben Bedingungen können andere Abbauprodukte entstehen, darunter Methan.

Eine aussagekräftige Angabe zur biologischen Abbaubarkeit benötigt deshalb einen Zusammenhang: In welcher Umgebung, bei welchen Bedingungen und innerhalb welcher Zeit wurde der Abbau untersucht?

  • Temperatur: Ein Material kann sich bei erhöhten Temperaturen deutlich anders verhalten als in einem kühlen Boden.
  • Feuchtigkeit und Sauerstoff: Beide beeinflussen die Aktivität der beteiligten Mikroorganismen.
  • Mikroorganismen: Nicht jede Umgebung bietet die gleichen biologischen Voraussetzungen.
  • Produktform: Materialdicke und Oberfläche können die Geschwindigkeit der Umsetzung beeinflussen.
  • Zeit: Ein nachgewiesener Abbau innerhalb eines Prüfzeitraums bedeutet kein sofortiges Verschwinden nach der Nutzung.

Die Europäische Umweltagentur erläutert diese Abhängigkeit von Material und Umgebungsbedingungen. Ergebnisse aus einer industriellen Kompostierungsprüfung lassen sich nicht einfach auf Gewässer oder Waldböden übertragen.

Zerfallen ist nicht dasselbe wie biologisch abgebaut

Ein Gegenstand kann spröde werden und in kleinere Stücke zerbrechen, ohne dass sein Kunststoff bereits biologisch umgesetzt wurde. Sichtbares Verschwinden oder eine zunehmende Zerkleinerung sind deshalb allein kein Nachweis für vollständigen biologischen Abbau.

Bei der Bewertung muss zwischen dem physischen Zerfall eines Produkts und der biologischen Umsetzung seines Materials unterschieden werden.

Was bedeutet kompostierbar?

Kompostierbarkeit ist eine genauer eingegrenzte Eigenschaft. Ein entsprechendes Prüfverfahren betrachtet nicht nur den biologischen Abbau, sondern auch den Zerfall des Produkts und mögliche Auswirkungen auf den entstehenden Kompost.

Für industriell kompostierbare Verpackungen ist die europäische Norm EN 13432 eine wichtige Grundlage. Zu den geprüften Punkten gehören biologische Abbaubarkeit, Desintegration, bestimmte Stoffgehalte und die Pflanzenverträglichkeit des Komposts.

Das Zertifizierungsprogramm OK compost INDUSTRIAL von TÜV AUSTRIA bezieht sich auf diese Norm. Die Prüfung berücksichtigt dabei auch Bestandteile wie Druckfarben und Zusatzstoffe.

Industrielle Kompostierung und Gartenkompost unterscheiden sich

Industrielle Anlagen können kontrollierte Bedingungen und über bestimmte Zeiträume erhöhte Temperaturen bereitstellen. Bei der industriellen Kompostierung werden typischerweise Temperaturbereiche um 55 bis 60 °C genutzt.

Ein Gartenkompost ist deutlich wechselhafter. Temperatur, Feuchtigkeit und Durchmischung unterscheiden sich je nach Jahreszeit, Standort und Pflege. Ein ausschließlich als industriell kompostierbar zertifiziertes Produkt sollte deshalb nicht auf dem Heimkompost landen.

Für die Heimkompostierung gibt es eigene Zertifizierungen wie „OK compost HOME“. Auch dabei gelten definierte Prüfbedingungen. Die Kennzeichnung ist keine Garantie für einen gleich schnellen Abbau in jedem beliebigen Komposthaufen.

Typische Materialien richtig einordnen

Materialbeispiele helfen, Rohstoffherkunft und Abbaubarkeit auseinanderzuhalten. Entscheidend bleibt jedoch das konkrete Produkt: Mischungen, Beschichtungen und Zusatzstoffe können seine Eigenschaften beeinflussen.

Beispiele für unterschiedliche Kunststoffgruppen
Material Rohstoffherkunft Einordnung
Bio-PE Biobasiert Chemisch wie konventionelles PE aufgebaut und nicht allein aufgrund der Rohstoffquelle biologisch abbaubar.
PET mit biobasierten Anteilen Teilweise biobasiert Beständiger Kunststoff; die biobasierten Anteile machen ihn nicht kompostierbar.
PLA, Polylactid Üblicherweise biobasiert Geeignete Produkte können industriell kompostierbar sein. Eine Eignung für den Gartenkompost folgt daraus nicht.
PBAT Häufig fossilbasiert Biologisch abbaubarer Polyester, der beispielsweise in entsprechend geprüften kompostierbaren Mischungen eingesetzt wird.

Diese Unterscheidung entspricht auch dem Überblick der Europäischen Kommission zu biobasierten, biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen: Rohstoffquelle und Abbaubarkeit sind voneinander unabhängige Eigenschaften.

Dürfen kompostierbare Verpackungen in die Biotonne?

Gewöhnliche Kunststoffverpackungen wie Becher, Folien und Schalen gehören in Deutschland grundsätzlich nicht in die Biotonne – auch dann nicht, wenn sie als biologisch abbaubar oder kompostierbar gekennzeichnet sind.

Restentleerte Kunststoffverpackungen aus privaten Haushalten werden in der Regel über die Gelbe Tonne, den Gelben Sack oder eine entsprechende Wertstoffsammlung entsorgt. Für pfandpflichtige Getränkeverpackungen gilt die Rückgabe über das Pfandsystem.

Die Hinweise des Umweltbundesamtes zu Verpackungsabfällen unterscheiden diese Verpackungen von eng begrenzten Sonderfällen, beispielsweise bestimmten biologisch abbaubaren Brühhilfen für Tee und Kaffee. Für solche Grenzfälle ist das örtliche Abfall-ABC maßgeblich.

Was gilt für Bioabfallsammelbeutel?

Für speziell zugelassene biologisch abbaubare Bioabfallsammelbeutel gibt es eine gesonderte Regelung. Ein allgemeiner Aufdruck „kompostierbar“ oder die Norm EN 13432 allein reicht dafür nicht aus.

Nach den Informationen des Umweltbundesamtes zu Bioabfallsammelbeuteln müssen diese besondere Anforderungen erfüllen, unter anderem die Zertifizierung „Bioabfall-Beutel DINplus“. Zusätzlich muss die Verwendung am jeweiligen Wohnort erlaubt sein.

Viele Kommunen schließen solche Beutel aus technischen Gründen aus. Deshalb gilt: Vor dem Kauf die Vorgaben des örtlichen Entsorgers prüfen. Die Zulässigkeit eines Sammelbeutels lässt sich nicht auf Einkaufstüten oder andere Verpackungen übertragen.

Warum akzeptiert nicht jede Anlage kompostierbare Produkte?

Ein Prüfverfahren und der tatsächliche Anlagenbetrieb sind nicht identisch. Behandlungsdauer, Vorbehandlung und technische Abläufe können dazu führen, dass Produkte nicht ausreichend zerfallen oder bereits vorher als Störstoffe aussortiert werden.

Hinzu kommt, dass herkömmliche Kunststoffbeutel und abbaubare Varianten bei der Aufbereitung nicht immer sicher unterschieden werden können. Die örtlich verbindlichen Regeln zur Biotonne legt der zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger fest.

Entsorgung im Alltag: eine praktische Übersicht

Übliche Entsorgungswege in Deutschland
Gegenstand Üblicher Entsorgungsweg Worauf achten?
Restentleerte Kunststoffverpackung mit „Bio“- oder Kompostierbarkeitshinweis Gelbe Tonne, Gelber Sack oder entsprechende Wertstoffsammlung Nicht allein wegen der Kennzeichnung in die Biotonne geben.
Pfandpflichtige Getränkeflasche mit biobasierten Kunststoffanteilen Pfandrückgabe Das Pfandsystem nutzen.
Zugelassener biologisch abbaubarer Bioabfallsammelbeutel Biotonne nur bei örtlicher Erlaubnis Produktanforderungen und kommunale Vorgaben müssen erfüllt sein.
Einzeln gekauftes Kunststoffprodukt ohne Verpackungsfunktion Je nach Gegenstand und Kommune Restmüll, Wertstofftonne oder Wertstoffhof Im örtlichen Abfall-ABC nachsehen.
Als industriell kompostierbar gekennzeichnete Kunststoffverpackung Verpackungssammlung Nicht auf den Gartenkompost oder in die Natur geben.

Ist Bioplastik automatisch umweltfreundlicher?

Nein. Eine geringere Nutzung fossiler Rohstoffe kann ein Vorteil sein, reicht für eine vollständige Umweltbewertung aber nicht aus. Auch Anbau, Flächenbedarf, Wasserverbrauch, Herstellung und Transport müssen berücksichtigt werden.

Ebenso wichtig sind die Nutzungsdauer und das tatsächliche Abfallsystem. Ein theoretisch recyclingfähiges Material wird nicht zwangsläufig in jeder Anlage aussortiert und recycelt. Umgekehrt kann ein beständiger biobasierter Kunststoff für eine langlebige Anwendung sinnvoller sein als ein abbaubares Material.

Die Europäische Kommission betont deshalb die Betrachtung des gesamten Lebenswegs. Für die Auswahl eines Produkts sind insbesondere folgende Fragen hilfreich:

  • Ist der Gegenstand überhaupt erforderlich? Vermeidung spart Material unabhängig von dessen Herkunft.
  • Lässt er sich mehrfach nutzen? Entscheidend sind eine geeignete Ausführung und die tatsächliche Wiederverwendung.
  • Passt das Material zur Anwendung? Haltbarkeit und Schutzfunktion müssen zum vorgesehenen Einsatz passen.
  • Gibt es einen funktionierenden Entsorgungsweg? Eine Eigenschaft auf dem Etikett ersetzt keine passende Sammlung und Behandlung.

Wie lassen sich Kennzeichnungen sinnvoll lesen?

Ein Blattmotiv oder das Wort „Bio“ ist weniger aussagekräftig als eine konkrete Angabe mit nachvollziehbarem Prüfbezug. Besonders hilfreich ist es, auf den genauen Geltungsbereich zu achten.

  • Biobasierter Anteil: Wie hoch ist er, und auf welche Bezugsgröße bezieht er sich?
  • Kompostierungsumgebung: Ist industrielle Kompostierung oder Heimkompostierung gemeint?
  • Geprüfter Gegenstand: Gilt die Kennzeichnung für das fertige Produkt oder lediglich für ein Ausgangsmaterial?
  • Entsorgungshinweis: Passt die Empfehlung zu den Vorgaben am Wohnort?

Eine Zertifizierung bestätigt bestimmte geprüfte Eigenschaften. Sie ist kein allgemeines Nachhaltigkeitssiegel und keine automatische Erlaubnis für die Biotonne.

Häufige Fragen

Ist Bioplastik immer aus Pflanzen hergestellt?

Nein. „Bioplastik“ wird als Sammelbegriff für unterschiedliche Materialien verwendet. Gemeint sein können biobasierte, biologisch abbaubare oder Materialien mit beiden Eigenschaften. Die genauere Bezeichnung ist deshalb entscheidend.

Darf biologisch abbaubares Plastik in der Natur liegen bleiben?

Nein. Abbaubarkeit unter definierten Bedingungen bedeutet nicht, dass ein Produkt in der Landschaft schnell und folgenlos verschwindet. Abfälle gehören in die vorgesehene Sammlung.

Kann kompostierbarer Kunststoff recycelt werden?

Das hängt von Material, Produkt und vorhandenem Recyclingsystem ab. Kompostierbarkeit und Recyclingfähigkeit sind unterschiedliche Eigenschaften. Die richtige Entsorgung einer Verpackung in der Gelben Tonne garantiert noch nicht, dass ihr Material tatsächlich werkstofflich recycelt wird.

Ist heimkompostierbar dasselbe wie industriell kompostierbar?

Nein. Die Kennzeichnungen beziehen sich auf unterschiedliche Bedingungen. Insbesondere reicht eine Zertifizierung für industrielle Kompostierung nicht als Nachweis für die Eignung im Gartenkompost.

Fazit: Drei Begriffe, drei unterschiedliche Aussagen

Biobasiert beschreibt die Rohstoffherkunft. Biologisch abbaubar beschreibt eine Umsetzung unter bestimmten Bedingungen. Kompostierbar ergänzt Anforderungen an einen definierten Behandlungsprozess.

Für eine sinnvolle Entscheidung gehören diese Eigenschaften mit der vorgesehenen Nutzung und dem tatsächlichen Entsorgungsweg zusammen. Bei Verpackungen führt ein „Bio“-Hinweis deshalb nicht automatisch zur Biotonne. Wer die Begriffe auseinanderhält, kann Materialversprechen besser einordnen und Fehlwürfe vermeiden.

Weitere Hintergründe zu Ressourcen, Kreisläufen und Umwelttechnologien finden sich im Themenbereich Umwelt & Nachhaltigkeit. Wie biologische Prozesse technisch genutzt werden, behandelt der Bereich Biotechnologie.

Nach oben scrollen